01 – Juli 2014

02. 07. 2014 / 08.44 Uhr – Nachdem ich Bilbo meine Dockingstation für das iPhone geliehen habe, dachte ich, ich will mir eine neue, größere mit besserem Sound kaufen. Heute denke ich – ich brauche das gar nicht, ich kann die 4 Wochen darauf verzichten. Sollte ich immer machen, ein paar Tage nachdenken, bevor ich etwas anschaffen will. 

03. 07. 2014 / Heute einen lieben Eintrag auf meiner FB – Seite um 15:27 Uhr – Achtsamkeit durch Krebs:

‪“Suza Na Sehr schöner Blog!  Was mich besonders interessiert, ist, was Dich motiviert. Was bringt Dich dazu, zu kämpfen? Oder was hilft Dir auf dem Weg? Weißt Du, was ich meine? Gruß und Kuss“

 Meine Antwort:

Achtsamkeit durch Krebs Es ist auch eine spannende Zeit für mich. Ich sehe den Krebs als eine Herausforderung mich in meiner ganzen Persönlichkeit zu entdecken. Meinen Körper – was braucht er zur Heilung, meinen Geist – was ist mein Glaubenssystem und wo ist der Zusammenhang, meine Seele – ihre Lebensmelodie zu finden. 

Das Wort „kämpfen“ habe ich aus meinem Sprachschatz gestrichen. Das ist eine Erkenntnis, die ich durch den Krebs gefunden habe. Der Krebs ist auch Ausdruck meines Lebens, all meiner Anteile. Wie kann ich gegen ihn kämpfen. Meine ganze Persönlichkeit wird ihn heilen! Du kennst sicherlich die buddhistische Chöd Technik. Auch unsere Dämonen brauchen Liebe, dann können sie sich wandeln, heilen, ins Licht gehen oder gar Helfer werden. 

Danke für Dein Feedback. 

Ich begegne so vielen Menschen, die mit der Diagnose Krebs konfrontiert sind. Der Erstschock lähmt oft und eine allumfassende Orientierung ist kaum möglich. So wird der verzehrende Weg der klassischen Schulmedizin gegangen. Ich glaube es ist wichtig Menschen, die gewissermaßen an der Schwelle stehen und offen sind für Alternativen, einen Impuls zu geben. Die Höhen und Tiefen, die diese Diagnose mit sich bringt sind normal und es ist wichtig sie anzuerkennen. Zu sagen „Ja, ich habe Krebs! Ja, ich habe Angst!“ Dieses JA verändert so viel und öffnet das Sichtfeld, es entspannt uns in unserer ganzen Persönlichkeit.

Vielleicht wird aus diesem Blog mal mehr. Bisher teile ich ihn nur mit meiner Familie, meinen Freunden und Bekannten.“

04. 07. 2014 / 23.12 Uhr – Bin gerade dabei noch Leckereien für das Chorwochenende vorzubereiten.

Heute bei einer lieben Bekannten und langjährigen Kundin gewesen. Da fiel der Satz „Ich verstehe es gar nicht, Sie machen so viel für Ihre Gesundheit auch gerade nach Ihrer OP 2012. Und nun haben Sie wieder ein Rezidiv.“ Wie viel Erwartung in Ihren Worten lag. Mir ist erneut klar geworden, dass es für mich immer mehr Bedeutung gewinnt, Erwartungen loszulassen. Das hat nichts damit zu tun mir Ziele zu setzen und zu wissen was ich will. Jedoch meinen genauen Schicksalsplan kenne ich nicht, den kennt wohl niemand. Jetzt lebe ich! Jetzt geht es mir gerade super, auch wenn die beiden Chemotherapien gerade mal 2 Wochen zurück liegen.

Heute Abend in der Ausstellung „Faces of Love“ von Bilbo Calvez gewesen. Es ist noch einmal ein ganz anderer Eindruck das Bild zu sehen und die Interviews nur zu hören. Besonders mag ich das von DALINE,  dem Vater von Bilbo und seiner Frau. Fand einige Parallelen zu meinem Mann und mir. http://on.fb.me/1lLgYtg

05. 07. 2014 / 21.24 Uhr– In Söllenthin beim Chortreffen. Es ist einfach aufregend in einer Kirche zu singen – wahnsinns Akustik.

Alle haben sich auf die Pralinen gestürzt. Unverhofft zu einer sehr entspannenden Reiki – Behandlung gekommen. Danke liebe D. Bei ihrem Feedback ist mir wieder bewusst geworden wie oft wir unsere VORstellungen unseren Wahrnehmungen überstülpen.

06. 07. 2014 / 15.54 Uhr – Komme gerade vom Gottesdienst in der Kirche von Söllenthin und unserem Konzert. War der Hammer! Ich fühle mich so was von angekommen im Chor. Wie das Singen das Herz weiten kann. Ich höre nie wieder auf zu singen.

Im Gottesdienst und in der Predigt ging es mir persönlich um zu viel Schuld. Ich habe bei solchen Gelegenheiten immer das Gefühl mich ducken und ein schlechtes Gewissen bekommen zu müssen. Wir sind genau so richtig wie wir sind mit all unseren Facetten und all unseren hellen und dunklen Seiten. So sind wir wahrhaft göttlich! Das hat nichts mit der Verantwortung als Mensch für das Handeln zu tun. Die Verantwortung muss ich gegenüber meinen Mitmenschen tragen, nicht gegenüber Gott. Ein wahrhafter Gott liebt bedingungs- und wertungslos.

Die Gemeinde war sehr lieb und begeistert von unserem Auftritt. Im Anschluss gab es Kaffee und selbst gebackenen Kuchen. Ich habe ein wenig bedauert vegan zu sein. Der Kuchen sah auf den Tafeln so lecker aus. Eine Gemeinde mit einer sehr schönen Energie.

21.19 Uhr – Es war ein magisches Wochenende! Singen, singen, singen …

07. 07. 2014 / 08.53 Uhr –  Heute beim Haare waschen mehrere Haarbüschel in den Händen gehalten. Nun scheinen sie doch auszugehen. Habe mir zwar heute einen Termin beim Friseur geholt aber vielleicht werden dann nur die Haare abrasiert. :-( Ich komme damit klar. Als ich meine Haare 2012 verlor ließ ich mir eine Perücke machen die ich 4 – 5 mal trug. Es war wie eine Verkleidung für mich. Das war nicht wirklich ich. So trug ich nur noch Tücher und fühlte mich damit wohl. So wird es jetzt auch wieder sein.

Beim Spaziergang mit meinen Hunden laufe ich eigentlich immer eine feste Runde. Seit gut 1,5 Jahren komme ich an 2 neu gebauten Häusern vorbei, 2 junge Familien mit jeweils 2 kleinen Kindern. Oft denke ich dann an die Zeit zurück als meine Kinder noch klein waren und wir es morgens auch eilig hatten. Einmal haben wir verschlafen, alle mussten sich beeilen. Mein Sohn zur Schule, ich zur Arbeit, mein Mann mit der Tochter zur Kinderkrippe. Es war so hektisch als wir aus dem Haus stürmten. Uns ist erst gar nicht aufgefallen wie ruhig es auf den Straßen war. Erst als wir alle vor verschlossenen Türen standen, stellten wir fest, es ist ja Feiertag. Ich beobachte oft morgens auch eine ähnliche Hektik an diesen beiden Häusern. Bisher gab es keinen Zaun zwischen ihnen. Heute sah ich, dass eine Familie einen Zaun gebaut hat. Es sieht sofort alles viel kleiner und getrennter aus und mir kam der Gedanke „Wie wäre es, wenn alle Zäune dieser Welt weg wären und doch Jeder die Grenzen des anderen respektiert? Ist das Utopie?“

08. 07. 2014 / 08.41 Uhr – Glaube die Fatigue packt mich erneut. Gestern Nachmittag schon schlapp und keine Motivation für nix. Heute erst um 08.15 Uhr aufgewacht. Hab ich mich wieder übernommen?

Haare werden immer weniger. Hab nächste Woche Friseurtermin. Ob die Haare da noch dran sind?

09. 07. 2014 / 00.15 Uhr – Chor bringt mich immer wieder aus meinem Fatigue-Loch raus. Im Anschluss noch zusammen Fußball geschaut. Bin in Halbzeit nach Hause. Die Straßen wunderbar leer. War ja eh entschieden.

Bekomme positives Feedback zum Blog. Motiviert! Denke darüber nach wie ich´s Blog am besten führen soll. Beitragsstruktur? Ausprobieren!

10.29 Uhr – Meine Haare gehen immer mehr aus. Überlege ob ich sie heute abrasiere. Werde Foto´s machen. Ob ich den Mut habe sie zu veröffentlichen weiß ich noch nicht.

Stolpere über ein Gedicht von Rilke. Es passt so gut und ich füge es ins Blog ein.

15.27 Uhr – Merke es fällt mir doch nicht leicht die Haare einfach abzurasieren. Obwohl es nervt, überall liegen Haare rum. Ich liebe meine kurzen Haare. Zögern!

21.29 Uhr – Habe Tücher gebunden und Varianten ausprobiert. Sonntag werde ich sie abrasieren! Ja, dann mache ich´s!!! Ich will das allein machen und nicht beim Friseur. Habe wieder Schmerzen, was soll´s. Meine Fingernägel fangen wieder an zu splittern. Kenne ich ja schon von der letzten Chemo 2012. Ist diesmal aber bei Weitem nicht so übel wie damals.

Habe mir die Lyrics zu einem neuen Lied im Chor herunter geladen und es heute fleißig geträllert. Es ist so schön beschwingt. Hoffe ich bekomme es mit der Zeit unplugged und ohne die Begleitung aus dem iPhone hin. Meine Stimme verändert sich. Weiß nicht womit es zusammen hängt, merke es nur.

10. 07. 2014 / 11.21 Uhr – Bin in unserer Firma in Prenzlauer Berg, sitze am Tisch und warte. Meine Tochter und ich fahren heute nach Bad Honnef zu einem Workshop „Kreatives Visualisieren“ Modul 2. Es ist nicht mehr so ungewohnt hier einfach nur zu sitzen und nicht mehr zu arbeiten. Gern sehe ich meiner Tochter zu, wenn sie schnell noch einige wichtige Dinge erledigt. Die Firma loszulassen ist mir in der Rückschau doch leichter gefallen als ich mir vorstellte. Nun ist sie „Prinzipalin“! Ich gestehe, in vielen Dingen beispielsweise im kaufmännischen Bereich ist sie viel besser. Sie sucht immer wieder meinen Rat. Wie wunderbar! 

13. 07. 2014 / 19.04 Uhr -Es waren 2 sehr schöne Tage voller Kreativität. Viel gemalt und visualisiert. Bin angeregt mein handschriftliches Tagebuch nun mit vielen Visualisierungen zu füllen. Habe heute bereits angefangen einen Wochenplan zu visualisieren. Werde es zu einer sonntäglichen Gewohnheit werden lassen!

Endlich geschafft meine Haare abzurasieren! Traue mich die Bilder zu zeigen. 😉 

Tagebuch_visualisiert-klein

Es war in den letzten Tagen einfach eine Qual. Fuhr ich mir durch die Haare hatte ich sofort ein dickes Büschel in der Hand. Anfang August gehe ich ja erneut in die Klinik und habe erneut 2 x Chemo. Was soll da an Haaren noch übrig sein. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

Die Haare einer Frau sind unter vielen anderen Aspekten ein  Ausdruck ihrer Schönheit. Sie können einen Typ unterstreichen oder unvorteilhaft wirken. Ich habe meine kurzen grauen Haare geliebt. Nun sind sie ab. Ich weiß sie wachsen nach. Trotzdem war es komisch die erste Schneise mit dem Haartrimmer zu ziehen. Es sah teilweise so grotesk aus, dass ich lachen musste … 

Jetzt noch schnell ein paar Dinge erledigen (Einkaufsliste, aufräumen …) und dann rüber zu meiner Tochter und meinem Schwiegersohn und Fußball WM Finale schauen. Ich hab ja meine Fernsehantenne abgeklemmt. Und das ist auch gut so!

16. 07. 2014 / 00.13 Uhr – Nun endlich ins Bett. War eine tolle Chorprobe. Konnte wieder einmal mit meinen selbstgemachten Pralinen allen eine Freude machen. War für mich komisch das erste Mal ohne Haare und nur mit einem Tuch zum Chor zu gehen. Habe sogar Komplimente bekommen – das tut der weiblichen Seele gut. Diesmal waren wir in einer Wohnung inmitten Berlins und sangen auf der Dachterrasse mit Blick über die Dächer auf den Berliner Dom, den Fernsehturm. Applaus schallte zu uns hoch.

11.45 Uhr – Werde meinen FB-Konsum einschränken und nur zu bestimmten Zeiten drauf gehen. Wenn ich Beiträge einstelle. Viel Bla, bla … Muss stark selektieren. Hier brauche ich Disziplin.

17. 07. 2014 / 10.55 Uhr – Gestern Nachmittag hatte es mich gepackt. Meine Terrasse ist in diesem Jahr absolut verwildert. Im Sommer ist sie für mich wie ein zusätzliches Zimmer. Ein Dach drüber, schön wenn es regnet und von drei Seiten mit einer dichten Efeuhecke eingerahmt, die natürlich fleißig wächst. Nur ein Schritt aus meinem Zimmer und ich sitze im Grünen. Dem Efeu musste ich aber zu Leibe rücken und die verwelkten Blätter lagen auch noch alle rum. Also meine kleine Heckenschere genommen, die große könnte ich nicht halten, und los ging´s. Ich habe es geschafft. Danach völlig platt. Trotzdem konnte ich abends nicht einschlafen. Noch 1,5 Stunden wach gelegen. Heute merke ich allerdings, dass meine Hände zittern. Naja, ist ja ein altes Thema, dass ich meine körperlichen Grenzen nicht akzeptieren will.

20.54 Uhr – Endlich das Problem mit Video 3 aus der Videoserie für meine Tochter gelöst. Angeregt durch den Workshop vom vergangenen Wochenende will ich eine visualisierte Videosequenz mit eigenen Zeichnungen einfügen. Musste ziemlich lange tüfteln. Jetzt hab ich die Lösung! Nun Zeichnungen anfertigen, restlichen Film schneiden und die 4-teilige Videoserie ist fertig. Ein tolles Gefühl! Derzeit gelingt mir meine Arbeit. Dabei merke ich gar nicht, wenn´s mal gesundheitlich nicht so geht. Zur Zeit keine Schmerzen .

20. 07. 2014 / 22.13 Uhr – Habe heute den Gerson – Film auf  Youtube gesehen. Finde ich sehr interessant. Das Fasten interessiert mich ja schon eine ganze Weile. Kann aber nicht sofort nach dem 2. Klinikaufenthalt im August und den Chemo´s, die ich bekommen damit beginnen. Beim Fasten insbesondere beim Langzeitfasten werden die ganzen Giftstoffe aus den Zellen freigesetzt auch aus den dann abgebauten Fettzellen. Das kann zu viel sein. Also erst schön entgiften. Ich werde in der Klinik und bei Dr. Heber nachfragen, wann ich fasten kann.

War heute mit meiner Tochter und meinem kleinen Enkelsohn bei „Pflanzen-Kölle“. War ziemlich leer, weil wahrscheinlich kaum jemand bei der Hitze im Garten arbeiten will. Nur wir sind so verrückt. Habe Salatpflanzen fürs Gewächshaus gekauft. Heute hat meine Tochter im Garten gearbeitet und ich habe das Enkelkind „gehütet“. Morgen bin ich im Garten dran!

Gestern Abend meine Videoaufzeichnungen von 2011/2012 angesehen. Im Herbst 2013  war ich zu betroffen und habe selbst geheult als ich sie angesehen hatte. War zu diesem Zeitpunkt in einer ziemlich üble Phase. Gestern fand ich den ausreichenden  Abstand und war erstaunt. Damals war ich sehr kämpferisch. Nach den Chemos gings mir ziemlich schlecht. Konnte mich gar nicht mehr daran erinnern, dass ich das Gefühl in meinen Beinen verlor und kaum laufen konnte. Habe den Entschluss gefasst daraus ein Video zu schneiden mit meiner heutigen Sicht. Wird aber dauern, da ich ja noch andere Projekte habe.

22. 07. 2014 / 22.07 Uhr – Die letzten 2 Tage war ich im Garten fleißig. Habe ich auch gut körperlich verkraftet.

Heute auf den Blog „Jung – schön – Krebs“ zum gleichnamigen Buch gestoßen. Viele schöne Fotos und berührende Geschichten. In den Berichten aller Frauen auf diesem Blog ist immer vom KAMPF gegen den Krebs die Rede. Ich selbst habe ja auch so gedacht, dass ich nur gewinne wenn ich kämpfe und zerstöre. Ist man im „Kampfmodus“ will man schwere Geschütze auffahren um zu siegen – OP, Chemotherapie und Bestrahlung. Alles möglichst intensiv. So wird es von der Schulmedizin empfohlen. Ich habe ja auch diese Empfehlung bei meinem Rezidiv erhalten: OP, Chemotherapie und die neue Wunderwaffe Avastin. Alle quälen sich vielleicht auch weil es schwer fällt zu glauben, dass man auch ohne Kampf gewinnen könnte. Und was heißt eigentlich gewinnen? Wenn ich über den Ausgang einer Geschichte nachdenke, mir wünsche alles möge gut ausgehen – sind das nicht nur VORstellungen, die den Blick auf die Dinge, auf das Wesentliche einer Geschichte versperren. Ist ein Film schlecht nur weil er kein Happy End hat? Ich kenne mein Schicksal nicht. Ich glaube jedoch, dass ich mein Schicksal bis zu einem gewissen Punkt mit beeinflussen kann. Ich glaube aber auch daran, dass ich die Melodie meines Lebens nur hören kann, wenn ich still und friedlich werde, wenn ich mich dem Fluss des Lebens hingebe, ob es gerade schön ist und mir gefällt oder mich vor schier große Herausforderungen stellt, nicht mit meinem Leben hadere oder streite. Es geht immer um das Anerkennen was gerade ist.

Krebszellen sind ein Teil von mir, sie sind aus mir entstanden. Sie sind ja nicht von außen in mich eingedrungen. Etwas ist schief gelaufen. Heute empfinde ich Heilung dieser Zellen als den Weg für mich.

Frauen empfinden ihren Körper, ihr Aussehen plötzlich mit dieser Krankheit ganz anders. Mir geht es ja ebenso. Vor allem wenn die Haare oder auch die Brüste nicht mehr da sind. Bin ich als Frau dann noch schön, begehrenswert? Ich empfand vor allem die natürlichen Bilder der jungen Frauen auf diesem Blog auf denen sie ihre Glatze zeigen sehr schön und ästhetisch. Mein Sohn, der gerade Fotographie studiert hat in der gesamten Zeit meiner Krankheit Fotos von mir gemacht. Vor meinem 2. Klinikaufenthalt möchte er noch einmal Fotos machen. Ich glaube es wäre auch schön Fotos ohne Tücher zu machen.

24. 07. 2014 / 21.35 Uhr – Heute eine Frau getroffen, die auch vor etwa 2 Jahren ihren Mann verlor, er hatte Krebs. Nun hat sie seit kurzem einen neuen Partner, der 1 ½ Jahre jünger ist. Sie ist 71 Jahre und hat damit ein Problem. Sie kann sich nicht richtig freuen, weil sie glaubt es würde ihr nicht zustehen. 

Heute war irgendwie ein Tag von Begegnungen und Gesprächen über Krebs. In den Geschichten denen ich immer wieder zuhöre erkenne ich meist das gleiche „Drehbuch“ – Diagnose, Schock, „die Ärzte werden schon wissen was hilft“, OP, Chemo – QUALEN! Sie geben ihre Verantwortung für ihre Heilung an die Ärzte ab, sie sind doch die Spezialisten, sie müssen es doch wissen! Es scheint schwer zu sein Verantwortung für das eigene Leben, für die eigene Heilung zu übernehmen. Ist es wirklich der schwerere Weg?

Telefon klingelt! Eine Freundin ist am Telefon.

22.53 Uhr – 1 Stunde telefoniert. Sie hat mich auf eine Idee gebracht. Ich sollte meinen Schlafplatz untersuchen lassen. Es ist ja tatsächlich so, dass in meinem Schlafzimmer der Telefonanschluss ist.

In der vergangenen Nacht ist das Meerschwein der Familie meiner Tochter an einer bakteriellen Lungenentzündung gestorben. Sie haben den kleinen Sammy noch in die Tierklinik gebracht. Es ging alles so schnell und der Tierarzt konnte nicht mehr helfen. Meine Tochter und ihr Mann kümmern sich so rührend um ihre Tiere, schon seit Jahren. Da ist es immer sehr traurig wenn so ein kleines Wesen die Welt verlässt. Sie sind heute für 2 Tage weggefahren und ich muss auf die beiden anderen Schweinchen aufpassen. Lotti ist schon eine alte Dame und bekommt morgens und abends Medikamente. Hoffentlich geht alles gut. So nun ab ins Bett!

25. 07. 2014 / 19.48 Uhr – Habe plötzlich festgestellt, dass mein Blog „zerschossen“ war. Auf der Tagebuchseite waren nur noch die Beiträge und nicht mehr die Tagebuchnotizen zu sehen. Im Bearbeitungsmodus war aber alles in Ordnung. Konnte den Fehler nicht finden. Dann einfach die Seite in den Papierkorb gelegt, natürlich vorher schön den Inhalt kopiert. Neue Seite. Dann waren die Kommentare weg.  :-(  Alles wieder zurück und da war´s plötzlich in Ordnung. Es nervt manchmal, wenn man die Technik nicht beherrscht.

28. 07. 2014 / 04.57 Uhr – Seit gut 1 Stunde liege ich wach und kann nicht mehr schlafen. Weiß nicht was los ist. Höre auch kein Vogelgezwitscher. Sonst hört man um diese Zeit bereits die ersten Vogellieder. Es regnet.  Ist der Sommer vorbei? Merke eine Traurigkeit. Igel sollen in diesem Sommer Not leiden – zu wenig Insekten. Wir haben im Garten einen kleinen Igel, der sich auch füttern lässt. Wir können ziemlich nah ran.

29. 07. 2014 / 22.36 Uhr – Mein Sohn war heute hier und wir haben Fotos gemacht, ohne Tuch und Brille. Bin gespannt wie sie werden. Er lässt sich Zeit. Ich kenne nur sehr wenige Fotos die er von mir gemacht hat. War ein sehr schöner Nachmittag. Wir können sehr gut reden. Hatte eine Idee zu einem gemeinsamen Projekt, die wohl sehr kühn ist. Früher habe ich solch kühne Ideen gleich verworfen, schaff ich sowieso nicht. Heute werde ich sie aber verfolgen. Ich werde sehen was draus wird. Wenn man immer gleich alles verwirft nur weil es sehr groß oder schwierig erscheint kann man es auch nie schaffen. Also ran!

Habe mit ihm darüber gesprochen, ob ich mein handschriftliches Tagebuch mal vernichten werde so wie Herrndorf es tat. Er hatte ja keine Kinder. Natürlich stehen dort viele sehr intime Notizen drin, die ich nicht veröffentliche. Andererseits warum sollten meine Kinder sie nicht mal lesen. Ist ja nichts kompromittierend.

31. 07. 2014 / 21.00 Uhr – Heute beim Onkologen 2 ½ Stunden gewartet. Die Onkologie ist umgezogen, Sprechzeiten haben sich geändert und er geht in Urlaub, so war das Wartezimmer voll. Er nimmt sich immer sehr viel Zeit. War ein sehr angenehmes Gespräch über Forschung, Pharmaindustrie, Komplementär- und Alternativmedizin, Heilung, Eigenverantwortung und dem Vertrauen auf eigene Gefühle. Er erzählte mir auch eine Geschichte aus seiner Assistenzarztzeit, die ihn lehrte auf die Gefühle seiner Patienten zu hören. Er hat mich bestärkt in dem was ich mache. Das ist ein sehr gutes Gefühl.

War am Vormittag noch schnell in der neuen Wohnung meines Sohnes. Sehr zentral, sehr schnuckelig. Könnte mir auch gefallen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *