Warum ein Blog?

Ich sitze am Ufer der Spree und halte den radiologischen Befund in den Händen. Im Auto habe ich gezittert, konnte nicht losfahren. Dann ging ich die Straßen entlang und fand diesen versteckten Weg zur Spree. Nun sitze ich hier und durch meinen Kopf rasen die Gedanken. Gewissheit – ein Rezidiv an einer nicht gerade lustigen Stelle. Meine Kinder kann ich gerade  nicht anrufen, sie würden an meiner Stimme merken wie es mir geht. Sie haben selbst mit der Angst um meinen Tod zu kämpfen seitdem der erste Verdacht da war. Ich rufe 2 Freundinnen an – nur der AB. Ich kann sprechen, das hilft. Die dritte Freundin ist da. Wir sprechen. Sie sagt sie kommt am Wochenende. Langsam werde ich ruhiger, kann aber immer noch nicht aufstehen. Zu sehr zittern meine Knie.

Was soll ich tun? Wie lange habe ich noch? Was hat in meinem Leben Bedeutung? Werde ich alles noch schaffen, was ich mir vorgenommen habe? Wie wird sich der Tod anfühlen?

Eine mir in den letzten Jahren vertraut gewordene Stimme sagt: „Soja, Du schaffst es, Du schaffst diese Probleme zu lösen, egal wohin der Weg Dich führt!“ Plötzlich weiß ich, was zu tun ist – endlich werde ich das Blog schreiben, das ich bereits 2012 mit einer FB-Seite begann. Struktur, Disziplin und die Möglichkeit der Selbstreflektion werden für mich Halt sein. Öffentlich geschriebene Worte sind wie gesprochene Worte, nicht wie ein lärmender, nicht festzuhaltender Gedankenstrom. Vielleicht sind andere Menschen in einer ähnlichen Situation und es wirkt wie ein Impuls für sie. Der Entschluss steht und plötzlich bin ich ganz ruhig. Ich stehe auf, gehe zum Auto und weiß jetzt kann ich mit allen sprechen …

 

Über die Geduld
(von Rainer Maria Rilke)

Man muss den Dingen
die eigene, stille
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann,
alles ist austragen – und
dann gebären…

Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.

Er kommt doch!

Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit
vor ihnen läge,
so sorglos, still und weit…

Man muss Geduld haben

Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.


 

P.S. Gern führe ich mit meinen Lesern einen Austausch.  Tretet gern mit  mir über E-Mail (siehe Impressum) in Kontakt oder hinterlasst einen Kommentar. In jedem Fall werde ich eine Antwort geben. Vielen Dank!

13 Gedanken zu „Warum ein Blog?

  1. Liebe Soja,

    ich habe schon so lange nichts mehr von Dir gehört, das macht mich nicht gerade froh. Ich denke ziemlich oft daran, dass es hier in Berlin so starke Persönlichkeiten wie Dich gibt, die sich nicht unterkriegen lassen, die sich nicht der Krankenhausmaschinerie ergeben, die für sich einen Therapieweg suchen, welcher mit Würde und kräftigem Rückgrat begangen werden kann. Ich finde es wirklich bewegend, dass Du Dich an der Gersontherapie versuchst. Schade, dass ich mich darüber nicht mit Dir austauschen kann. Ich würde gern einen engeren Kontakt darüber pflegen. Also, ich drück Dir die Daumen.
    Henning

  2. Hallo Sonja,
    die gedankliche Beschäftigung mit Krebs und allen seinen Begleitproblemen kann sehr belastend sein. Ich hoffe, du konntest hierzu ein wenig mehr Abstand und Frieden finden. Ich habe gute Erfahrungen mit dem Krebstherapie-Begleitsystem gemacht (www.krebstherapie-media.de). Es heilt natürlich nicht den Krebs, aber es kann für eine mentale Einstimmung sorgen, die vieles u.U. einfacher macht.

  3. Hallo liebe Sonja!
    Über das Gerson-forum fand ich deinen blog!
    Wie geht es dir inzwischen? Ich hoffe gut!!!!

    Ich schreibe dir, weil meine Freundin sehr schlecht dran ist, bekommt gerade wieder chemo und wird punktiert und hat noch sehr wenig power.
    Nächste Woche werde ich zu ihr nach Hamburg fahren(ich wohne in der Nähe von Köln)

    Habe erst vor ein par tagen von der gerson-methode gehört,…. Hört sich vielversprechend an!

    Kannst du mir weiterhelfen,… Bzw Tipps geben wo und wie wir das angehen können, falls Hella nicht schon zu schwach ist,….

    Vielen lieben Dank!

    Bärbel

    1. Liebe Bärbel,
      ich kann Dich sehr gut verstehen. Es ist schwer einen Menschen der einem nahe steht in solch einer Situation zu begleiten. Ich finde es gut, dass Du Dir Gedanken machst wie Du ihr helfen kannst.
      Die Gerson-Therapie ist gerade für Menschen, die sehr schwach sind sehr gut. Wenn Du im Internet recherchierst wirst Du sehr viele Informationen dazu finden. Doch das Wichtigste ist, dass Deine Freundin sich dieser Thematik auch öffnet. Sie selbst kann nur entscheiden was sie machen möchte. Denn gerade bei der Gerson-Therapie, die sehr umfangreich und anstrengend ist, ist es wichtig, dass der Patient es auch selbst will. Trage Informationen zusammen und gib sie Deiner Freundin, ohne Erwartungen von Deiner Seite. Sie kann sich dann damit beschäftigen und wenn sie dafür offen ist, wirst Du es merken und kannst sie dabei unterstützen diesen Weg zu gehen. Dann kann ich Dir zur Gerson-Therapie Bücher empfehlen oder Du kannst der Gruppe „Gerson Therapie Deutschland“ bei Facebook beitreten. Damit ist man sehr gut für die Durchführung der Therapie ausgerüstet. Falls die finanziellen Mittel vorhanden sind kann ich die Gerson Klinik in Budapest empfehlen. Das ist in jedem Fall der beste Einstieg in die Gerson-Therapie!
      Ja, es ist nicht einfach es auszuhalten. Ich wünsche Deiner Freundin dass sie ihren Weg findet und sich von ihrem Herzen leiten lässt und Dir wünsche ich die Kraft und den Mut Deine Freundin auf ihrem Weg, egal welcher es ist, zu begleiten.
      Liebe Grüße Soja

  4. Werte Soja,

    ich bin auf Deinen Blog gestoßen über das Gerson Forum. Und gleich das schöne Gedicht von Rilke…das tut gut. Und wie freue ich mich jemanden aus Berlin mit anscheinend gleichem Gedankengut zu haben. Gern können wir Gedanken austauschen. Ich bin nicht selbst erkrankt, jedoch hat mein Bruder grad mit dem K Thema zu tun. Das macht mich betroffen und ich suche nach Wahrhaftigkeiten (funktioniert Gerson oder nicht). Ich habe schon viele Bücher gelesen zum Thema Ernährung. Zur Zeit habe ich die China Study angefangen, komme von Konz, Walker usw. Mal sehen, wohin die Reise noch gehen wird. Auf alle Fälle wünsche ich Dir Kraft auf dem schweren Weg. Herzliche Grüße aus dem hohen Norden Berlins (Hermsdorf).
    Henning

    1. Hallo Henning,

      ich habe mich schon von Anfang an meiner Therapie mit dem Thema „Stärkung des Immunsystems“ beschäftigt. Über GERSON bin ich immer wieder „gestolpert“. Es ist jedoch eine sehr aufwendige Selbsttherapie und das ließ mich bisher zögern. Inzwischen denke ich, dass es für mich die einzige Möglichkeit ist meine Gesundheit zu stärken, eine sehr gute Lebensqualität auch mit meiner Diagnose zu erhalten und sogar schließlich vollkommen gesund zu werden.
      Mit sehr viel Respekt vor dieser Herausforderung bereite ich alles vor um Mitte Dezember 2014 zu starten. Mein Onkologe wird mich unterstützen und darüber bin ich sehr froh.
      Ich weiß wie schwer es ist ein Familienmitglied mit dieser Diagnose zu unterstützen. Auch in unserer Familie bin ich nicht die einzige. Alle gehen ganz unterschiedlich mit dem Thema Krebs um.
      Ich werde auch regelmäßig hier mit Blog und auch im Gerson-Forum zu meiner Selbsttherapie berichten. Gern tausche ich mich mit Dir aus.

      Liebe Grüße und Danke für Deinen Kommentar
      Soja

      1. Liebe Soja,

        vielen Dank für Deine Zeilen. Schön, dass es Dir den Umständen gut geht. Und einen Onkologen mit Verständnis, mit Kompetenzen Richtung Gerson, diese sind wohl nicht so häufig anzutreffen. Meinem Verwandten wurde nichts erzählt/vermittelt hierzu. Auf meine Frage, welche Ernährung denn vorgeschlagen wurde hinsichtlich weiterem Vorgehen…..nur ein Kopfschütteln war zu vernehmen. Ich überlege zur Zeit, ob ich quasi als Selbstversuch mich einer Gersondiät annähern sollte. Das Thema Einläufe schreckt mich nicht ab, jeoch die Einnahme von Mitteln (Kalium u.a.). Das muss sich noch entwickeln, ich behalte es aber sehr stark im Hinterkopf.
        Bis dahin mal wieder
        H.

      2. Hallo Soja,

        ich hatte Dich noch einmal angeschrieben über Email. Ich hoffe nicht, dass Du mich in den Spamordner verschoben hast. Wie sieht es denn aus bei Dir: hast Du Muße mir noch weitere Fragen zu beantworten? Ich würde mich jedenfalls über einen Austausch sehr freuen. Bis dahin mal wieder
        H.G.

  5. Liebe Soja,natürlich kannst du meine Zeilen im Blog verwenden wie du es vorschlägst.

    Übrigens gefällt mir das Gedicht“Über die Geduld“ so gut. Anfangs guckte ich täglich nach , ob eine Antwort von dir kam. Dann dachte ich schon, Schlimmes sei passiert.Nun heute die angenehme und ganz umfangreiche Antwort von dir. Hab herzlichen Dank!
    Klar weiß ich, dass du an unsere Krankheit dachtest bei dem Gedicht.
    Deine Gedanken zum Kampf gegen den Krebs teile ich auch voll und ganz. Ich glaube er hat eine Aufgabe die aber nicht leicht zu erkennen ist.
    Meine sechste Chemo wurde vorige Woche ganz und gar gestrichen, weil mein Blut so schlecht war. Ich bin darüber sehr froh und halte die Entscheidung für richtig, weil ich schon nach der fünften das Gefühl hatte, eine weitere nicht zu überleben.
    Ich arbeite mit Affirmationen für meine Heilung.Dafür habe ich Hilfe. Aber wie man am besten eine Meditation realisiert weiß ich nicht und kenne auch keine unterstützende Person. Vielleicht finde ich sie durch dich . Bei meinem Arztgespräch heute kamen wir auf den positiven Einfluß des Sports zu sprechen. Da sehe ich für mich noch Handlungsbedarf. Ich hoffe , während meiner baldigen Kur dafür Anregung zu erhalten.
    Übrigens kann ich auch ein gutes Buch empfehlen: von Heinrich Grill :“Krebskrankheit“ aus ganzheitlicher medizinischer und spiritueller Sicht, Erklärung, Prophylaxe, Therapie
    Auch ich grüße dich herzlich und in Verbundenheit
    H.

    Anm.: 1.Kommentar auf der Impressum-Seite

  6. Liebe Soja,
    jetzt hat auch meinen Mann die Diagnose Krebs erwischt. Schon lange vor unserem Urlaub hatte ich ihn gebeten zum Arzt zu gehen, weil es ihm nicht gut ging, aber wie Männer so sind: „das ist nur der Stress, im Urlaub geht es mir besser….“ Nein, es ging ihm nicht besser und er hat mir einige Symptome gebeichtet. Dienstag nachmittags aus dem Urlaub zurück, Mittwochs beim Arzt angerufen, Donnerstag Blut- und Urinuntersuchung, Freitag Anruf der Praxis: dringend kommen, es eilt, katastrophale Leberwerte, Gelbsucht. Am gleichen Tag noch ins Krankenhaus, wo man ihn schon erwartete, gleich die ersten intensiveren Untersuchungen und ein kleinerer Eingriff, damit die Gallenflüssigkeit abfließen konnte. Ergebnis der ersten Untersuchungen: Tumor im Bauchspeicheldrüsenkopf mit über 90 %iger Sicherheit bösartig. Montags weitere Untersuchungen, Donnerstag die sogenannte Wippel-OP über 7 Stunden und heute die Gewissheit: ja, bösartig.
    Es ist irgendwie komisch: ja, wir haben beide geweint heute, haben unheimlich viel geredet, aber wir sind auch erstaunlich gefasst, sind dankbar für die Zeit die wir bisher zusammen hatten und sind auch zuversichtlich, dass wir noch viel Zeit zusammen haben werden, sind bereit die Herausforderungen durch die Krankheit anzunehmen und das Beste aus jedem Tag zu machen, den wir zusammen in der Familie haben und bei aller Trauer haben wir heute dann auch wieder viel gelacht und haben das Glück gespürt, dass wir ne tolle Familie, liebe Kinder haben.
    Ich glaube, dass das der Weg ist, uns immer wieder bewusst zu sein, dass es uns trotz allem was ist und noch auf uns zukommt, gut geht weil wir uns haben und zusammenhalten.

    Liebe Grüße

    Hedi

    1. Liebe Hedi,
      Dein Erleben rührt mich sehr. Ich kann empfinden welche Berg- und Talfahrten Ihr beide nun durchmacht. Es ist und bleibt eine Schocksituation in der Ihr Euch gerade befindet. Mir ist es erst später bewusst geworden. Ich habe in dieser Zeit einfach nur „funktioniert“.
      Es ist wunderbar, wenn Ihr Euch Eurer Liebe und der Eurer Kinder bewusst seid und offen mit diesem Thema umgeht. Das ist leider oft nicht so. In Familien wird dann viel geschwiegen. Ich erlebe das gerade auch in einer weiteren Verwandtschaft. Man kann nach einer solchen Diagnose nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Nehmt Euch Zeit alles zu bedenken. Ich bin in Gedanken bei Dir. Über PN schicke ich Dir meine Telefonnummer und die Adresse einer Klinik. Scheue Dich nicht mich anzurufen!
      Ich umarme Dich!
      Liebe Grüße Soja

  7. Liebe Soja,
    ich musste das, was ich gelesen habe, erst einmal verdauen. Es tut mir so leid. Ich habe dich sehr bewundert, wie du nach deiner ersten Krebs-OP deine Rückkehr ins Leben gemeistert hast, mit so viel Energie und konsequentem Training.
    Ich wünsche dir viele unterstützende Worte, gehalten sein in dunklen Stunden, Mut und Kraft für diesen schweren Weg.
    Wenn du magst, dann drück ich dich mal virtuell.

    Liebe Grüße

    Hedi

    1. Liebe Hedi,

      lieben Dank für Deinen Kommentar. Ja, wir alle kennen unsere Schicksalsmelodie nicht. Ich nehme mein Leben seit diesen 2 1/2 Jahren als Herausforderung an, im Hier & Jetzt zu leben. Dieses Blog gibt mir die Möglichkeit mich selbst zu reflektieren, meine Gedanken mit meiner Familie, meinen Freunden, Bekannten und interessierten Menschen zu teilen. Vielleicht bietet es eine Möglichkeit zu erkennen welche Alternativen und Möglichkeiten es zur Heilung gibt. Es geht darum, nicht nur den Körper zu heilen, sondern die ganze Persönlichkeit. Anerkennen was gerade ist schafft so viel Entlastung und Entspannung, das sich das Blickfeld weitet.

      Ich würde mich freuen, wenn Du immer mal wieder hierher zurück kehrst und siehst, dass mit dieser Diagnose das Leben auch wunderbar sein kann.

      Liebe Grüße und eine virtuelle Umarmung zurück

      Soja

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